Deutsche Kinderarmut Armut in Deutschland bedingungsloses grundeinkommen BGE Kurz nach Singapur kehrt das WEF in die Schweiz zurück: «Davos ist und bleibt unsere Heimat»

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Deutsche Kinderarmut  Armut in Deutschland  bedingungsloses grundeinkommen  BGE Kurz nach Singapur kehrt das WEF in die Schweiz zurück: «Davos ist und bleibt unsere Heimat»

Kurz nach Singapur kehrt das WEF in die Schweiz zurück: «Davos ist und bleibt unsere Heimat» Das Weltwirtschaftsforum 2021 findet wegen Corona weder in Davos noch auf dem Bürgenstock statt, sondern in Singapur. Doch der dortige Kongress wird kleiner sein als sonst, wie WEF-Chef Alois Zwinggi sagt. Er kündigt zudem an, wie es mit Davos…

Deutsche Kinderarmut Armut in Deutschland bedingungsloses grundeinkommen BGE Kurz nach Singapur kehrt das WEF in die Schweiz zurück: «Davos ist und bleibt unsere Heimat» Das Weltwirtschaftsforum 2021 findet wegen Corona weder in Davos noch auf dem Bürgenstock statt, sondern in Singapur. Doch der dortige Kongress wird kleiner sein als sonst, wie WEF-Chef Alois Zwinggi sagt. Er kündigt zudem an, wie es mit Davos weitergeht.

Als Luzerner bedauert er das Aus für den Bürgenstock doppelt: WEF-Geschäftsführer Alois Zwinggi. Bild: Olivia Aebli-Item/Somedia

WEF-Geschäftsführer Alois Zwinggi bewegt sich meist im Hintergrund, als Gesicht des Weltwirtschaftsforums kennt man vor allem Gründer Klaus Schwab. Doch es ist Zwinggi – aufgewachsen in Horw LU, Studium in St. Gallen und in Harvard –, der die komplexe Organisation seit elf Jahren am Laufen hält. Zurzeit beschäftigt ihn vor allem die Austragung des nächsten Jahrestreffens in Singapur. Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» spricht Zwinggi über die Bürgenstock-Absage, politische Kontroversen und das Bedürfnis nach physischen Treffen.

In Cologny (GE), wo das WEF seinen Hauptsitz hat, arbeiten normalerweise rund 700 Mitarbeitende, zurzeit ist fast niemand vor Ort. Rechnen Sie damit, dass sie je zurückkehren?

Alois Zwinggi: Durchaus, ja. Wir werden künftig sicher flexiblere Arbeitsmodelle anwenden, mit einer Mischung aus Präsenz- und Homeoffice-Arbeit. Aber das gemeinsame Arbeiten am selben Ort ist für kreative Prozesse unerlässlich.

Als global tätige Organisation könnten sie den teuren Schweiz-Sitz massiv verkleinern und Ihre internationale Belegschaft aus deren Herkunftsländern arbeiten lassen.

Ich gehe nicht davon aus, dass wir in Cologny künftig weniger Leute sein werden. Hier bleiben unser Hauptsitz und der Grossteil unserer Arbeitsplätze. Aber wir führen nicht zentral, sondern berücksichtigen die regionalen Begebenheiten. Wir unterhalten auch Standorte in anderen Ländern, etwa in San Francisco, New York, Mumbai und Peking. Wichtig ist in diesem Zusammenhang zudem: Es gibt regulatorische und steuerliche Einschränkungen; dass ein Mitarbeiter, der zurzeit in Cologny arbeitet, seinen Job aus der Karibik ausführt, geht nur schon deswegen nicht (lacht).

Das nächste Jahrestreffen des WEF wurde von Davos erst in die Zentralschweiz und dann nach Singapur verlegt. Der Singapur-Termin wurde aber bereits wieder verschoben, aktuell sprechen Sie vom 17. bis 20. August. Bleibt es dabei?

Wir rechnen fest damit. Lassen Sie mich aber noch etwas zu Davos sagen. Unser virtueller Davos-Anlass vom vergangenen Januar verlief erfolgreicher, als wir es erwartet hatten. Er war mehr als nur eine Notlösung. Unsere Teilnehmerinnen und Teilnehmer investierten sehr viel Bildschirm-Zeit. Die Referate und Podien waren hochstehend, gegenüber einem physischen Kongress kam es zu keinen qualitativen Abstrichen. Doch es gab ein grosses «Aber».

Der fehlende persönliche Austausch?

Absolut. Diese Rückmeldung hörten wir immer wieder. Darum freut man sich nun auf die nächsten echten Treffen: Jene in Singapur im August 2021 und in Davos im Januar 2022. Der Tenor ist klar: Wir brauchen weiterhin physische Kongresse, um die Vertrauens- und Kreativkultur aufzubauen, die es braucht. Vielleicht wird es aber künftig vermehrt kleinere, rein virtuelle Anlässe geben.

Alois Zwinggi (rechts) mit dem damaligen US-Präsidenten Donald Trump und dem Davoser Landammann Tarzisius Caviezel im Januar 2018 in Davos. Bild: US-Botschaft

Das klingt optimistisch. Aber die Pandemie verläuft so unberechenbar, dass Singapur auch noch abgesagt werden könnte.

Eine Garantie gibt es in dieser Zeit nie, unsere Planung beruht aber auf einer Durchführung vor Ort. Offen ist, wie gross der Anlass sein wird. Weder wir als Organisatoren noch Singapur als Durchführungsort haben ein Interesse daran, dass unser Jahrestreffen zu einem Super-Spreader-Event wird. Wir stehen in engem Kontakt mit den lokalen Behörden und tun alles, um die Sicherheit für die Teilnehmer und die Bevölkerung zu gewährleisten.

Nach Davos reisen jeweils 3000 offizielle Teilnehmer, plus deren Entourage. Wie viele werden es in Singapur sein?

Deutlich weniger, um die 1000. Wir sind uns bewusst, dass viele Unternehmen zurzeit strenge Reiserestriktionen haben. Nicht jeder kann und will in ein Flugzeug steigen. Möglicherweise wird das diesjährige Jahrestreffen etwas weniger global und die Teilnehmerschaft stärker asiatisch geprägt sein. Unsere Ambition bleibt es aber, wichtige Persönlichkeiten aus allen G-20-Nationen bei uns zu haben.

In Davos merkt jeder Teilnehmer, dass er in der Schweiz ist: der Schweizer Bundespräsident eröffnet den Kongress mit einer Rede, überdurchschnittlich viele Teilnehmer stammen aus dem Inland. Geht diese Swissness jetzt verloren?

Hoffentlich nicht! Klar, es werden weniger Schweizer anwesend sein, aber wir würden uns freuen, wenn der Bundesrat auch dieses Jahr eine Delegation stellen könnte. Wir stehen auch im Kontakt mit dem Büro von Bundespräsident Guy Parmelin. Zudem wird die Organisation «Präsenz Schweiz» dazu beitragen, dass niemand in Singapur vergisst, wo wir unsere Heimat haben.

Bühne für die Schweiz: Bundesrätin Simonetta Sommaruga (r.) mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am WEF 2020. Bild: Alessandro della Valle/Keystone

Wie sicher ist, dass der Jahreskongress 2022 in Davos stattfindet?

Wir sind sehr zuversichtlich. Zurzeit steht auch keine zeitliche Verschiebung zur Diskussion, wir rechnen mit einer Durchführung im Januar, gemäss unserer Tradition. Wir stehen mit dem Kanton Graubünden und mit der Gemeinde Davos bereits in engem Kontakt für die konkrete Planung. Das hat alles schon begonnen.

Wenn es ein grosses «Davos» im nächsten Januar gibt, warum braucht es dazwischen überhaupt noch ein kleines «Singapur»?

Es besteht ein Bedürfnis für beides. Das World Economic Forum ist eine Mitgliederorganisation. Wir sind finanziert von unseren Mitgliedern, diese zahlen einen Mitgliederbeitrag, und der verleiht ein Recht auf diese Aktivitäten. Wir hören auf unsere Partner. Hätten wir andere Rückmeldungen, würden wir auf Singapur verzichten.

Ihre Organisation ist formell eine Stiftung mit rund 1000 Mitgliedern, die je 60’000 Franken pro Jahr zahlen. Viele Ihrer Mitglieder sind von der Pandemie schwer getroffen. Haben Sie Kunden oder Mitgliederbeiträge verloren?

Es ist ein interessantes Phänomen: Wie schon in der Finanzkrise 2008/2009 sehen wir relativ konstante Mitgliedschaften. Wer sich bei uns engagiert, schätzt es offenbar, den Zugang zu unserer Organisation zu haben und zu behalten.

Waren es auch Mitglieder-Rückmeldungen, die zur Absage auf dem Bürgenstock führten, wo das Jahrestreffen für Mai 2021 zuerst geplant war?

Ja, auch dieser Entscheid fiel mit Blick auf unsere Mitglieder und Partner. Wir bedauern, dass diese vielversprechende Option nicht realisierbar war.

Bürgerliche Politiker aus der Zentralschweiz zeigten sich sehr enttäuscht über die Absage und schrieben Ihnen einen offenen Brief. Geht die Zentralschweiz für immer leer aus?

Wir stehen weiterhin im Dialog. Wir schulden der Zentralschweiz und den Kantonsbehörden unsere Loyalität und werden ihnen in Davos 2022 eine Plattform bieten. Ich schliesse zudem nicht aus, dass in Zukunft der eine oder andere Event in der Zentralschweiz stattfinden könnte.

Alois Zwinggi beim WEF im Jahre 2018. Benedikt Von Loebell

Heisst das, dass Davos sich Sorgen machen muss? Oft gibt es Klagen über überhöhte Hotelpreise oder mangelnde Gastfreundschaft. Wären der Bürgenstock und die Zentralschweiz insgesamt Alternativen für das Jahrestreffen?

Davos ist und bleibt unsere Heimat. An dieser Tradition möchten wir festhalten, was das Jahrestreffen betrifft, insofern die Rahmenbedingungen stimmen.

Aus der Politik ist sich das WEF in der Schweiz Kritik gewohnt: Man spricht vom Treffen der Reichen und Mächtigen, von hohen Sicherheitskosten, von einer «Schwatz-Veranstaltung». Wie war es für Sie nun zu sehen, dass eine grosse Region wie die Zentralschweiz um den Kongress buhlt?

Wir haben uns der Kritik immer gestellt und Kritiker auch an unsere Anlässe eingeladen. Das öffentliche Bild, das sich viele vom WEF machen, ist oft schwarz-weiss und entspricht nicht der Realität. In Davos spüren wir durchaus viel Goodwill. Dass die Zentralschweizer Kantone uns mit offenen Armen empfangen hätten, freute uns sehr.

Glauben Sie, dass die Standort-Kontroverse in der Schweiz dazu geführt hat, dass das WEF mehr Wertschätzung erfährt?

Das ist schwer zu sagen. Wir haben aber schon den Eindruck, dass in der Schweiz zunehmend erkannt wird, wie hoch der Nutzen auch rein finanziell ist. Die Universität St. Gallen hat im vergangenen Herbst errechnet, dass die gesamte Wertschöpfung in der Schweiz sich in der Grössenordnung von 170 Millionen Franken pro Jahr bewegt, davon werden 90 Millionen in Davos generiert und 80 Millionen im Rest des Landes. Die Universität kam zudem auf ein Steueraufkommen von 11 Millionen Franken. Allgemein werden die Marken «Switzerland» und «Davos» in die Welt getragen.

Zu den Vorbereitungen des World Economic Forum WEF in Davos gehören auch unfangreiche Sicherheitsmassnahmen.
Dominik Wunderli

Umgekehrt hat der Steuerzahler Millionen-Aufwendungen für die Sicherheit, sei es bei der Armee oder der Polizei.

Richtig, und das schätzen wir sehr. Aber mit den Steuern, die wir jährlich zahlen, hat der Standort Schweiz einen unmittelbaren wirtschaftlichen Gewinn, über den Aspekt hinaus, dass unser Anlass die Schweiz als Standort des politischen Austauschs positioniert.

Zurück zu den nächsten Anlässen. Verlangen Sie von Kongressteilnehmern in Singapur und Davos einen Impfausweis?

Davos ist für diese Frage noch zu weit weg. In Singapur werden Geimpfte ein anderes Prozedere durchlaufen als andere Teilnehmende, und natürlich werden wir am Kongress täglich testen.

Dürfen Teilnehmer das Kongresszentrum überhaupt verlassen, um die lokale Bevölkerung nicht zu gefährden, wo es ja praktisch keine Coronafälle gibt?

Um die Gesundheit aller sicherzustellen haben wir ausgedehnte Schutzmasnahmen. Am Anfang des Anlasses kommt man in eine geschützte Zone, am Ende verlässt man sie wieder. Von Vorteil ist, dass in Singapur das Kongresszentrum und das Hotel in einer Anlage vereint sind.

Wie ist es mit der Quarantäne?

Die ist nicht machbar, sonst müsste man viel früher anreisen. Das ganze Gesundheits- und Sicherheitskonzept beruht auf Massnahmen ohne Quarantäne.

Was sind die wichtigsten Themen in Singapur?

Wie schon beim virtuellen Davos-Anlass werden auch in Singapur alle Aspekte um die Coronapandemie die Diskussionen prägen. Nicht nur die wirtschaftlichen, ebenso die wissenschaftlichen, gesundheitlichen und politischen Zusammenhänge. Dann bleiben die grossen Dauerthemen wie Klimawandel und vierte industrielle Revolution ungebrochen aktuell. Es sind allesamt interdisziplinäre Herausforderungen, für deren Diskussion unser Kongress eine Plattform bietet.

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