Trotz alledem: Mein Leben – Mit exklusivem Fotomaterial


Price: 28,00 €
(as of Oct 04,2020 08:37:26 UTC – Details)


Zwischen Politik und Poesie: Ein bewegendes Zeitzeugnis der Bundesrepublik

„Trotz alledem“: Hannes Waders Lebensgeschichte ist Arbeiterlied, Folksong und großer deutscher Gesellschaftsroman zugleich, geschrieben vom legendären Songwriter selbst. Kraftvoll, berührend, episch und poetisch wie in seinen Liedern erzählt Hannes Wader, was ihn und seine Musik geprägt hat: Nachkriegszeit auf dem Land, 68er-Jahre in Berlin, Deutscher Herbst, Friedensbewegung, der Kampf für eine gerechtere Welt und der Abschied von Illusionen. Ein Leben unter Frauen und Künstlern, mit Hunden und Pferden, Georges Brassens und Bob Dylan. Dieses Buch ist durch und durch Wader: direkt und aufrichtig, humorvoll, sarkastisch und nachdenklich-kritisch, voller Achtung für alle, die von einer besseren Welt träumen und für sie handeln.



Produktbeschreibung des Verlags

KindheitsfotoKindheitsfoto

Gegen sechs Uhr morgens, am 23. Juni 1942, werde ich in Bethel bei Bielefeld im Hause Gilead, der Entbindungsstation, mit einem Haarkringel über der Stirn geboren. Dem diensthabenden Arzt, der mich hochhebt, schiffe ich laut schreiend ins Gesicht. Er tauft mich, auf meine Stirnlocke anspielend, spontan »Napoleon der Bogenpisser«. Nach meinen beiden Schwestern Ursula und Gisela, sie sind acht und neun Jahre älter als ich, bin ich das dritte und letzte Kind meiner Eltern. Ein Wunschkind, wie mir meine Mutter später des Öfteren versichert, was ich nicht so recht glauben kann. Wer wünscht sich schon mitten im Krieg ein Kind?

(Aus dem Kapitel »Kindheit«, S. 11)

Wader mit SaxofonWader mit Saxofon

Eines Abends nehmen mich Jungs aus der Rio-Milchbar in den Bunker Ulmenwall, damals der erste Jazzkeller in der Stadt, zu einem Jazzbandball mit. Mir ist, als beträte ich eine andere Welt. Ich höre und sehe zum ersten Mal Jazz live. Eine Amateur-Dixieland-Band spielt in klassischer Besetzung: Schlagzeug, Kontrabass, Klavier, Banjo, Trompete, Posaune, Klarinette. Es ist eine Jam Session. Das bedeutet, wie man mir erklärt, dass es sich hier um ein zufälliges Zusammentreffen von »Jatzern« (und nicht etwa »Dschässern«) handelt, die alle unterschiedlichen Bands angehören. Ich bin augenblicklich begeistert und weiß: Das, was ich hier höre, ist ab sofort auch meine Musik. Dieser Abend ist für mich unvergesslich. Am meisten beeindruckt mich der Klarinettist, da ist für mich die Sache klar: Ich werde auch Klarinette spielen lernen.

(Aus dem Kapitel »Lernen«, S. 177)

Musiker unterwegsMusiker unterwegs

So zu leben, habe ich mir gewünscht. Unterwegs sein. On the road. Endlich. Von einem Ort, von einem Augenblick zum andern. Was für ein Gefühl. Von mir aus kann das ewig so weitergehen. Ich bin froh über meine neue Reisetasche, die ich mir im KDW gekauft habe, mit mehreren aufgesetzten Taschen für Kleinkram. Nicht zu groß, aber so, dass jede Menge Wäsche zum Wechseln – und Bücher natürlich – reinpassen. Ich lese jede Nacht vor dem Einschlafen, ganz gleich, wie spät es ist und wie betrunken ich bin.

Die oft langen Bahnfahrten, auch tagsüber, machen mir nichts aus. Wenn ich nicht lese, spiele ich Gitarre, wenn ich allein im Abteil bin. Manchmal, aber nur ganz selten, singe ich, wenn ich mich von ihnen dazu ermutigt fühle, den Mitreisenden was vor.

(Aus dem Kapitel »Singen«, S. 311)

Wader auf der BühneWader auf der Bühne

Der Kalte Krieg ist kälter als je zuvor. Unter US-Präsident Ronald Reagan nimmt das atomare Wettrüsten zwischen den USA und der Sowjetunion nie gekannte Ausmaße an. Gleichzeitig drängt in der BRD Helmut Schmidt als derzeitiger Bundeskanzler auf den NATO-Doppelbeschluss und damit auf die Stationierung atomarer Mittelstreckenraketen auf westdeutschem Boden. Dagegen formiert sich jetzt ein rasch wachsender Widerstand aus den verschiedensten Teilen der Bevölkerung. Eine mächtige, sich auch international enorm ausbreitende Friedensbewegung entsteht. Eine echte Massenbewegung, an der sich auch die DKP als nur eine von unzähligen Gruppierungen beteiligt. Ich selbst sehe mich als Teil des sich schnell organisierenden Zusammenschlusses der »Künstler für den Frieden«.

(Aus dem Kapitel »Handeln«, S. 488)

Author: Pressebank

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